Ein Besuch in der Tierklinik in Zaragoza

Es ist kurz vor 8 Uhr. Begoña vom Verein Perrunas en Calma wartet ungeduldig am Tor der Pension, bis sie endlich rein kann. Sie muss drei lebhafte junge Hunde aus den Zwingern holen und mit dem Auto in die fast eine Stunde entfernte Tierklinik in Zaragoza bringen. Hanna, Homer und Aluna werden heute kastriert. Auch ein Routineeingriff ist im Tierschutz mit großer Anspannung verbunden. Während wir unsere eigenen Hunde nach einer OP zu Hause betreuen, sie nicht aus den Augen lassen und verwöhnen, müssen die Tierschutzhunde nach dem Aufwachen wieder zurück ins Tierheim und sind allein im Zwinger. Für die Tierschützerinnen eine sehr große emotionale Belastung. Sie würden natürlich am liebsten jeden mit nach Hause nehmen. Aber sie haben Beruf, Familie und Verantwortung für ihre eigenen Tiere. Aber in Gedanken sind sie bei ihnen und alle machen sich Sorgen. Egal, wie sauber der Zwinger ist, es bleibt ein Infektionsrisiko. Dazu kommt der finanzielle Druck. Jeder Besuch beim Tierarzt kann bedeuten, dass weitere gesundheitliche Probleme erkannt werden. Denn viele Hunde haben harte Zeiten hinter sich, die körperliche Spuren hinterlassen haben. Heute ist es die kleine Hanna, die uns allen Sorgen macht. Sie zeigt Symptome, die auf eine Gebärmutterentzündung hindeuten könnten. Das würde eine größere OP bedeuten und vielleicht sogar einen teuren Klinikaufenthalt.

Wir treffen Begoña mit den aufgeregten Hunden in der Tierklinik. Das Ärzteehepaar, dem die moderne Tierklinik gehört, ist sehr aufgeschlossen und hilfsbereit gegenüber Tierschutzhunden. Sie wissen um die besonderen Bedürfnisse, die diese Hunde haben, und berücksichtigen sie. Beispielsweise werden die Hündinnen mit der „Schlüssellochmethode“ kastriert, um die Infektionsgefahr so gering wie möglich zu halten. Es ist sehr viel los an diesem Morgen. Trotzdem nimmt sich Dr. Gonzalo Valle Fonk die Zeit, um uns alles zu zeigen. Es gibt einen OP-Raum, einen Vorbereitungs- und Aufwachraum, ein ganz neues CT-Gerät und mehrere Untersuchungsräume, die hier streng nach Hund und Katz getrennt werden. Im Vorbereitungsraum sehen wir, wie Aluna und Homer schon bereit für die Kastration gemacht werden. Mit ruhigen Handgriffen gelingt es der routinierten jungen Ärztin dem zappeligen Homer den Zugang zu legen. Auch wenn es ihm so gar nicht gefällt festgehalten zu werden, lässt er alles mit sich machen und ergibt sich seinem Schicksal. Die Fotografin @annetteetges darf sogar mit in den Operationsraum und Homers Kastration mit der Kamera verfolgen. Homer schläft schon und merkt nicht mehr, wie liebevoll die Ärztinnen ihn auf den Tisch legen und vorbereiten. Für Hanna geht es nun zu Frau Dr. Luisa Arauzo Pelet zum Ultraschall. Cristina erzählt uns, wie schwer es ihr fällt, Hunde, deren Vertrauen man gerade gewonnen hat, zum Tierarzt zu bringen. Vor allem die, von denen sie weiß, dass sie bisher von Menschen nichts Gutes erfahren haben. Hannas Vorgeschichte ist nicht bekannt. Sie lässt sich brav den Bauch scheren und auf den Rücken legen. Und wir sind alle erleichtert, als sie es geschafft hat und die Ärztin Entwarnung gibt. Hanna hat keine Gebärmutterentzündung, sie ist gesund, nichts spricht gegen eine Kastration heute. Und sie darf bald ausreisen zu ihrer Familie, die sie schon erwartet.

Am Nachmittag holt Begoña alle drei Hunde ab und bringt sie zurück in die Pension. Wir sind beeindruckt von den vielen tierlieben Menschen, die wir heute wieder kennenlernen durften. Es ist schön zu sehen, wie professionell und liebevoll die Tierschutzhunde in der Klinik versorgt werden. Und mir wird wieder bewusst, wie groß das Netzwerk sein muss, um wirklich etwas im Tierschutz zu bewegen. Wir sind erleichtert, dass es allen gut geht. Aber glücklich sind wir nicht. Wir denken an Hanna, Homer und Aluna, die im Zwinger sitzen statt zu Hause bei einer Familie. Hanna wird von ihrer Familie schon erwartet. Wir hoffen, Homer und Aluna dürfen ihre Zwinger auch schon ganz bald für immer hinter sich lassen.

Fotos: @annetteetges

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