Viele Hände – immer mehr Hunde

Je besser wir das Team von ADA Canals kennenlernen, desto deutlicher wird für uns, wieviel Zeit und Energie jedes einzelne Mitglied in den Tierschutz steckt. Neben dem großen Tierheim betreuen sie auch das „Reten“. Das sind sechs Zwinger mit einem kleinen Freilauf hier im Ort. Hierhin werden die von der Polizei beschlagnahmten oder von der Straße gesicherten Hunde gebracht. Aber inzwischen gibt es schon „Langzeitinsassen“, wie den Strubbelpodenco Canelo oder die Angsthündin Eva. Eine winzige Ratonera ist vor drei Tagen angekommen. Und schon heute der nächste Neuzugang, ein Podenco Maneto. Und draußen schleicht schon ein weiterer Kandidat um die Türe, ein junger Rüde, der sich hier an der gegenüberliegenden Futterstelle für Katzen bedient und offensichtlich von niemandem vermisst wird. Wir würden die kleine Ratonera, die sich ängstlich in die Zwingerecke drängt, am liebsten mitnehmen und ihr eine Pflegestelle in Deutschland geben. Doch das Gesetz schreibt eine 20-tägige Wartezeit vor. Falls sie vermisst wird, haben die Besitzer Zeit, sie hier zu finden. Doch niemand geht bei ihrem gesundheitlichen Zustand davon aus, dass die beiden wieder abgeholt werden.

Vor den Zwingern ist ein kleiner Auslauf, sicher umgrenzt von einer hohen Mauer. Hier dürfen die Hunde abwechselnd ein bisschen Freilauf genießen. Dazu müssen die Ehrenamtlichen viermal am Tag kommen, um die Hunde in verschiedenen Gruppen rein- und rauszulassen. Alle Helferinnen arbeiten, die meisten haben Familie und trotzdem machen sie es möglich. Auch wenn es bedeutet, schon um 5 Uhr aufzustehen, die Mittagspause hier zu verbringen oder nach Feierabend um 22 Uhr nochmal hierher zu fahren.

Auch der Sonntag ist kein freier Tag für das ADA-Team und ihre Unterstützer*innen. Ganz im Gegenteil. Weil Basilio, der die Zwinger von Montag bis Samstag putzt, frei hat, übernehmen die Ehrenamtlichen die Reinigung der 36 Zwinger. Der Kot muss von den rissigen Betonböden geschrubbt und auch die Wände und die Gitter müssen gereinigt werden. Da das Tierheim weder an das Stromnetz noch an die Wasserversorgung angeschlossen ist, reicht der Wasserdruck aus dem Tank nur für einen Schlauch, der immer hin- und hergereicht wird. Die Schlafwannen, Näpfe und die Trinkeimer werden gewaschen und letztere wieder mit frischem Wasser gefüllt. Währenddessen gehen die freiwilligen Helferinnen und Helfer mit ein paar Hunden kleine Runden oder bringen sie in den Freilauf. Alle aus dem Team sind berufstätig und viele arbeiten auch samstags, sodass sie hier ihren einzigen freien Tag der Woche verbringen. Die Frauen, die heute nicht dabei sind, können nicht kommen, weil sie Schichtdienst im Krankenhaus machen, sich zu Hause um kranke Welpen kümmern oder Futter und Wasser zu einer der Katzenkolonien bringen.

Heute ist ein besonderer Tag. Bella, die schon Jahre hier verbracht hat, darf ausziehen. Ein deutsch-englisches Paar, das hier lebt, hat sich in sie verliebt. Nun darf Bella als Pflegehund zeigen, ob sie sich doch mit den Katzen des Hauses verträgt. Wenn ja, darf sie für immer bleiben. Um Bella zu verabschieden, lassen alle die Arbeit einen Moment ruhen, um sich an dem kleinen Wunder zu freuen und sie zu verabschieden. Wir zögern es ein bisschen hinaus, weiterzuputzen, um das schöne Gefühl noch ein bisschen auszukosten. Als wollte das Schicksal es, zeigt es uns direkt die andere Seite des Abschieds. Sonntags kommen auch die Leute, die ihre Hunde zurückgeben. Zwei ängstliche Podencos müssen nach zwei Jahren in einem zu Hause wieder ins Tierheim zurück. Ihre Besitzerin hat Arbeit gefunden und die kranke Mutter kann sich nicht um vier Hunde kümmern, zwei müssen gehen. Ganz praktische Fragen müssen geklärt werden: Wer kann mit wem vergesellschaftet werden, damit ein Zwinger frei wird. Ich halte es nicht länger aus, die beiden ängstlichen Hunde anzuschauen. Später erfahre ich, dass der Abschied noch eine Woche rausgezögert wurde.

Bis in den Nachmittag hinein dauert es, bis alles sauber ist und die Hunde gefüttert sind. Auf die Helferinnen warten die Familien, zu der meist ein großes Rudel und Pflegehunde gehören, die auch versorgt werden wollen. Wir haben heute immer wieder versucht, unsere Dankbarkeit und unseren Respekt für die Menschen, die hier tagein tagaus gegen das nie enden wollende Tierleid ankämpfen in Worte zu fassen. Dabei sind auch Tränen geflossen. Denn auch die toughsten Frauen, die hier ihre Energie, Zeit und Zuwendung den Tieren schenken, verlässt manchmal die Kraft. Dass ihre Arbeit gesehen wird, bedeutet viel. Denn viele Nachbarn und Dorfbewohner haben dafür kein Verständnis, sondern Missachtung. Wir haben immer wieder gefragt: Wie macht ihr das? Wie haltet ihr das aus? Die Frage konnte niemand beantworten. Sie tun es einfach, weil sie nicht anders können als denen zu helfen, denen sonst niemand helfen würde.

Wir haben auf unserer Reise die Ehrenamtlichen von ADA Canals und Perrunas en Calma kennengelernt und sind tief beeindruckt, dass sie sich einer Aufgabe stellen, die kein Ende hat. Was wir hier an Engagement, Kraft und Hilfsbereitschaft erlebt haben, steht beispielhaft für alle unsere Kooperationspartner in Spanien, Portugal und Rumänien, die alle vor Ort täglich gegen das Tierleid kämpfen. Wir danken euch, dass ihr das auf euch nehmt. Ohne euch, könnten wir nicht helfen. Alle, die das hier lesen, haben jetzt einen kleinen Einblick in euren täglichen Kampf für mehr Menschlichkeit und den Schutz Schwächerer. Und wir hoffen, ihr spürt, dass ihr dabei nicht alleine seid.

Fotos: @annetteetges

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